in 18 Monaten durch die Bibel

Jakob oder Israel?

Warum verwendet die Bibel nach der Namensänderung beide Namen?

In 1. Mose begegnet uns eine interessante Beobachtung: Der Sohn Isaaks wird zunächst durchgehend Jakob genannt. Doch nach seiner Begegnung mit Gott am Jabbok erhält er einen neuen Namen:

Israel.

Trotzdem verschwindet der Name Jakob danach nicht. Im Gegenteil: Die Bibel wechselt bis zum Ende des 1. Buches Mose immer wieder zwischen Jakob und Israel.

Warum?

Ist dieser Wechsel nur sprachliche Abwechslung? Oder möchte Gott uns dadurch etwas über Jakob, über sein Leben und vielleicht sogar über unser eigenes Glaubensleben zeigen?

1. Jakob bekommt einen neuen Namen

Der entscheidende Wendepunkt liegt in 1. Mose 32,29.

Nach dem nächtlichen Kampf am Jabbok erhält Jakob von Gott einen neuen Namen: Israel.

Jakob bedeutet sinngemäß „Fersenhalter“ oder „Überlister“. Dieser Name passt erstaunlich gut zu vielen Abschnitten seines bisherigen Lebens.

Jakob hatte immer wieder versucht, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen:

  • Er wollte das Erstgeburtsrecht.
  • Er täuschte seinen Vater Isaak.
  • Er floh vor Esau.
  • Er musste sich gegen Laban behaupten.
  • Und auch vor der Begegnung mit Esau plante er sorgfältig, wie er sich schützen könnte.

Doch am Jabbok kommt Jakob an einen Punkt, an dem seine eigene Kraft nicht mehr ausreicht.

Dort begegnet ihm Gott.

Und dort erhält er einen neuen Namen.

Israel.

Damit beginnt etwas Neues.

Nicht Jakob bestimmt seine Zukunft, sondern Gott.

Israel heißt Gott siegt. 

2. Warum heißt er danach trotzdem noch Jakob?

Man könnte erwarten, dass die Bibel ihn von nun an ausschließlich Israel nennt.

Doch genau das geschieht nicht.

Der Heilige Geist verwendet weiterhin beide Namen.

Dabei scheint sich eine interessante Tendenz abzuzeichnen.

JakobIsrael
der Mensch in seiner Geschichte der von Gott Berufene
menschliche Schwachheit göttliche Verheißung
persönliche Sorgen Gottes Heilsplan
Familie und Alltag Bund und Berufung
Rückblick Ausblick
menschliche Begrenztheit göttliche Bestimmung

Das ist keine starre Regel, die sich auf jeden einzelnen Vers anwenden lässt.

Aber der Wechsel ist auffällig genug, um genauer hinzusehen.

3. Jakob und Israel nach der Namensänderung

1. Mose 32 – Aus Jakob wird Israel

Am Jabbok begegnet Jakob Gott.

Er kommt als Jakob an und geht als Israel weiter.

Doch er verlässt diesen Ort hinkend.

Das ist bemerkenswert.

Gott gibt ihm eine neue Identität, aber er nimmt seine Schwachheit nicht einfach weg.

Jakob wird gesegnet – und gleichzeitig gezeichnet.

Das zeigt einen wichtigen geistlichen Grundsatz:

Gottes Segen bedeutet nicht, dass wir keine Schwachheit mehr kennen.

Manchmal erinnert uns gerade unsere Schwachheit daran, dass wir von Gottes Gnade abhängig sind.

1. Mose 33 – Jakob begegnet Esau

Bei der Begegnung mit Esau wird überwiegend der Name Jakob verwendet.

Hier sehen wir den Menschen:

  • den Bruder,
  • den Vater,
  • den Verantwortlichen,
  • den Mann, der sich vor Esau verneigt.

Doch am Ende des Kapitels baut er einen Altar.

Und dort erscheint der Name Israel.

Das ist auffällig.

Im Umgang mit Menschen begegnet uns Jakob.

In der Anbetung tritt Israel hervor.

1. Mose 34 – Die Krise in der Familie

Nach dem Geschehen um Dina, Sichem, Simeon und Levi wird Jakob mit einer schweren Familienkrise konfrontiert.

Hier steht nahezu ausschließlich Jakob im Mittelpunkt.

Der Familienvater erlebt:

  • Schuld,
  • Gewalt,
  • Angst,
  • Kontrollverlust.

Gerade hier sehen wir die menschliche Seite seines Lebens.

Auch ein von Gott berufener Mensch bleibt mit den Folgen von Sünde, falschen Entscheidungen und menschlicher Schwachheit konfrontiert.

1. Mose 35 – Gott bestätigt den Namen Israel

In Bethel bestätigt Gott noch einmal ausdrücklich:

Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel.

Damit macht Gott deutlich:

Die neue Identität beruht nicht auf Jakobs Leistung.

Sie kommt von Gott.

Gott selbst bestimmt, wer Jakob sein soll.

Das erinnert an eine zentrale Wahrheit des Evangeliums:

Unsere neue Stellung vor Gott entsteht nicht dadurch, dass wir uns selbst verbessern, sondern dadurch, dass Gott uns in Christus etwas Neues schenkt.

4. Jakob in der Josefsgeschichte

Ab 1. Mose 37 beginnt die Geschichte Josefs.

Und hier tritt wieder stark der Name Jakob hervor.

Warum?

Weil wir Jakob vor allem als Vater erleben.

Er liebt Josef.

Er verliert Josef.

Er trauert um Josef.

Er glaubt viele Jahre lang, sein Sohn sei tot.

Der Träger großer Verheißungen sitzt nun da und weint.

Das zeigt:

Glaube hebt Schmerz nicht auf.

Jakob besitzt Gottes Verheißungen und versteht trotzdem Gottes Wege nicht.

Er sieht nur den Verlust.

Gott aber arbeitet längst an der Rettung.

Was Jakob nicht sehen konnte

Jakob dachte:

Josef ist tot.

Gott wusste:

Josef lebt.

Jakob dachte:

Ich verliere meine Söhne.

Gott wusste:

Ich rette deine ganze Familie.

Jakob dachte:

Alles richtet sich gegen mich.

Gott wusste:

Alles arbeitet auf die Erfüllung meiner Verheißung hin.

Das ist vielleicht eine der wichtigsten Lektionen dieser ganzen Geschichte:

Unsere Wahrnehmung und Gottes Wirklichkeit können sehr weit auseinanderliegen.

5. 1. Mose 42 – Der verzweifelte Jakob

Die Hungersnot erreicht Kanaan.

Die Brüder müssen nach Ägypten.

Benjamin soll aber zuhause bleiben.

Jakob hat Angst, auch ihn zu verlieren.

Als Simeon in Ägypten zurückbleibt, klagt Jakob sinngemäß:

Josef ist nicht mehr.
Simeon ist nicht mehr.
Und nun wollt ihr auch Benjamin nehmen.

Sein Blick richtet sich auf das Sichtbare.

Er kann Gottes Plan noch nicht erkennen.

Hier passt der Name Jakob besonders gut zu dem Bild eines Menschen, der mitten im Leid Gottes Wege nicht versteht.

6. 1. Mose 43 – Plötzlich heißt er Israel

Im nächsten Kapitel verändert sich etwas.

Jetzt verwendet der Bibeltext mehrfach den Namen Israel.

Juda übernimmt Verantwortung für Benjamin.

Und schließlich gibt der Vater ihn frei.

Dabei richtet er seinen Blick wieder auf Gott.

Er spricht von Gott, dem Allmächtigen, und vertraut seine Söhne seiner Barmherzigkeit an.

Hier beginnt der Glaube wieder aufzuleben.

Der Mann, der in Kapitel 42 nur Verlust sah, beginnt wieder auf Gott zu schauen.

Und gerade hier nennt ihn der Text Israel.

Das ist wahrscheinlich mehr als nur sprachliche Abwechslung.

Der Träger der Verheißung beginnt wieder aus der Verheißung zu leben.

7. Juda wird zum Bürgen

In 1. Mose 44 geschieht etwas, das weit über Jakobs Familiengeschichte hinausweist.

Benjamin soll in Ägypten bleiben.

Doch Juda tritt für ihn ein.

Er bietet sich selbst als Ersatz an.

Sinngemäß sagt er:

Nimm mich an seiner Stelle.

Hier entsteht ein beeindruckendes Bild auf Jesus Christus.

Juda tritt für seinen Bruder ein.

Jesus trat für uns ein.

Juda will den Platz Benjamins übernehmen.

Jesus nahm unseren Platz ein.

Juda wird zum Bürgen.

Jesus ist der vollkommene Bürge und Stellvertreter.

Hier beginnt sich die Geschichte Jakobs und seiner Söhne immer stärker zum Erlösungswerk Gottes hin zu öffnen.

8. 1. Mose 45 – Jakob hört: Josef lebt!

Dann kommt der große Wendepunkt.

Die Brüder kehren nach Kanaan zurück und berichten:

Josef lebt.

Zunächst kann Jakob es nicht glauben.

Doch dann sieht er die Wagen, die Josef geschickt hat.

Und nun geschieht ein auffälliger Namenswechsel.

Zuerst spricht der Text von Jakob.

Dann, nachdem sein Geist wieder lebendig wird, heißt es:

Israel.

Der verzweifelte Jakob beginnt wieder zu hoffen.

Der Vater, der jahrzehntelang um einen vermeintlich toten Sohn trauerte, erfährt:

Er lebt!

Das erinnert stark an die Auferstehungsbotschaft des Evangeliums.

Auch die Jünger Jesu konnten zunächst kaum glauben, dass Jesus lebt.

Doch genau diese Botschaft verändert alles:

Er lebt.

9. 1. Mose 46 – Israel opfert, Gott ruft Jakob

Einer der interessantesten Namenswechsel findet sich am Anfang von 1. Mose 46.

Israel macht sich auf den Weg nach Ägypten.

Er kommt nach Beerseba und bringt Gott Opfer dar.

Der Text nennt ihn:

Israel.

Dann spricht Gott zu ihm in einem nächtlichen Gesicht:

„Jakob, Jakob!“

Warum nennt Gott ihn wieder Jakob?

Eine mögliche Erklärung ist:

Gott spricht nicht nur zum Patriarchen und Träger der Verheißung.

Er spricht zum Menschen.

Zum alten Vater.

Zu dem Mann, der seine Heimat verlassen soll.

Zu dem Menschen mit seinen Sorgen und Fragen.

Das ist tröstlich.

Gott kennt nicht nur unsere Berufung.

Er kennt auch unsere persönliche Geschichte.

10. Jakob vor dem Pharao

In 1. Mose 47 begegnet Jakob dem Pharao.

Hier wird er wieder Jakob genannt.

Er blickt auf sein Leben zurück und spricht von seinen schweren Jahren.

Das ist Jakobs Lebensgeschichte.

Aber etwas Erstaunliches geschieht:

Jakob segnet den Pharao.

Äußerlich steht ein alter Hirte vor dem mächtigsten Herrscher der damaligen Welt.

Doch geistlich ist Jakob der Segnende.

Das zeigt:

Die Größe eines Menschen wird nicht durch seine politische oder gesellschaftliche Stellung bestimmt, sondern durch seine Beziehung zu Gott.

11. Israel blickt über den Tod hinaus

Am Ende von 1. Mose 47 heißt er wieder Israel.

Nun geht es um seinen Tod.

Doch sein Blick richtet sich nicht nur auf Ägypten.

Er möchte im verheißenen Land begraben werden.

Warum?

Weil er an Gottes Zusage glaubt.

Ägypten ist nur der vorübergehende Aufenthaltsort.

Kanaan gehört zur Verheißung.

Israel blickt über sein eigenes Leben hinaus.

Der Tod hebt Gottes Zusagen nicht auf.

12. 1. Mose 48 – Körperlich schwach, geistlich klar

Jakob ist alt.

Seine Augen sind schwach.

Josef bringt Ephraim und Manasse zu ihm.

Nun wird der Patriarch mehrfach Israel genannt.

Er segnet die beiden Enkel.

Dabei kreuzt er bewusst seine Hände und gibt dem Jüngeren den Vorrang vor dem Erstgeborenen.

Josef meint zunächst, sein Vater habe sich geirrt.

Doch Israel weiß genau, was er tut.

Das ist bemerkenswert:

Seine körperlichen Augen sehen kaum noch – aber seine geistlichen Augen sehen klar.

Am Ende seines Lebens ist Israel nicht stärker geworden.

Aber sein Vertrauen in Gottes Handeln ist gereift.

13. 1. Mose 49 – Jakob spricht, Israel entsteht

In 1. Mose 49 ruft Jakob seine zwölf Söhne zusammen.

Er spricht prophetisch über ihre Zukunft.

Hier heißt er zunächst Jakob.

Der Vater spricht zu seinen Söhnen.

Doch am Ende heißt es:

Das sind die zwölf Stämme Israels.

Das ist ein wunderschöner Übergang:

Aus Jakobs Familie wird Israel.

Aus der persönlichen Geschichte eines Mannes entsteht Gottes Heilsgeschichte mit einem ganzen Volk.

14. Was bedeutet der Wechsel zwischen Jakob und Israel?

Wir sollten vorsichtig bleiben.

Die Bibel sagt nirgends ausdrücklich:

„Jakob bedeutet immer das alte Leben und Israel immer das neue Leben.“

Eine solche starre Formel würde dem Text nicht gerecht.

Aber eine Tendenz ist deutlich erkennbar:

Jakob

Der Name Jakob begegnet häufig dort, wo seine persönliche und menschliche Seite im Vordergrund steht:

  • Familie
  • Sorgen
  • Trauer
  • Vergangenheit
  • Schwäche
  • persönliche Verantwortung
  • Lebensgeschichte

Israel

Der Name Israel begegnet häufig dort, wo Gottes Perspektive stärker hervortritt:

  • Verheißung
  • Bund
  • Anbetung
  • Berufung
  • Zukunft
  • Nachkommenschaft
  • Gottes Heilsplan

15. Jakob und Israel – ein Bild für unser Glaubensleben?

Hier dürfen wir vorsichtig eine geistliche Anwendung ziehen.

Jakob hat von Gott einen neuen Namen bekommen.

Aber seine Geschichte als Jakob verschwindet nicht.

Ähnlich ist es beim Christen.

Wer an Jesus Christus glaubt, bekommt eine völlig neue Stellung vor Gott.

Paulus schreibt:

„Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung.“
2. Korinther 5,17

Doch das bedeutet nicht, dass wir plötzlich keine Schwachheit mehr kennen.

Wir bleiben Menschen.

Wir kennen:

  • Angst,
  • Zweifel,
  • Versuchung,
  • körperliche Begrenztheit,
  • falsche Entscheidungen.

Aber Gott sieht uns zugleich in Christus.

Wir gehören ihm.

Wir haben eine neue Stellung.

Wir sind Kinder Gottes.

So erinnert uns Jakob an unsere menschliche Schwachheit.

Israel erinnert uns an Gottes Gnade und Berufung.

16. Die Verbindung zum Erlösungswerk Jesu

Die ganze Geschichte führt letztlich zu Christus.

Aus Jakob wird Israel.

Aus Israel entstehen die zwölf Stämme.

Aus dem Stamm Juda kommt schließlich Jesus Christus.

Und in ihm erfüllt Gott seinen großen Erlösungsplan.

Dabei sehen wir einen wichtigen Grundsatz:

Gott baut seine Heilsgeschichte nicht auf perfekten Menschen auf.

Jakob war nicht perfekt.

Seine Söhne waren nicht perfekt.

Juda war nicht perfekt.

Doch Gott blieb seiner Verheißung treu.

Das Evangelium lautet deshalb nicht:

Der Mensch verbessert sich so lange, bis Gott ihn gebrauchen kann.

Sondern:

Gott rettet, verändert und gebraucht Menschen durch seine Gnade.

17. Von Jakob zu Israel – von dem, was ich bin, zu dem, was Gott schenkt

Vielleicht können wir die ganze Geschichte in einem Gedanken zusammenfassen:

Jakob erinnert uns daran, wer der Mensch aus sich selbst ist.
Israel erinnert uns daran, was Gott aus Gnade aus ihm macht.

Jakob sieht den Verlust.

Israel sieht die Verheißung.

Jakob hält fest.

Israel lernt loszulassen.

Jakob schaut zurück.

Israel blickt nach vorn.

Jakob erzählt von seinem schweren Leben.

Israel betet am Ende seines Lebens Gott an.

Schlussgedanke

Der Name Jakob verschwindet nach der Begegnung mit Gott nicht.

Und vielleicht liegt gerade darin die Schönheit dieser Geschichte.

Gottes Gnade löscht unsere Vergangenheit nicht aus.

Sie schreibt unsere Geschichte weiter.

Jakob bleibt Jakob – und ist doch Israel.

Auch wir bleiben Menschen mit Schwachheiten, Grenzen und einer Geschichte.

Doch wer zu Jesus Christus gehört, darf wissen:

Meine Identität wird nicht mehr nur durch das bestimmt, was ich war, sondern durch das, was Gott mir in Christus geschenkt hat.

So könnten wir den Namenswechsel zwischen Jakob und Israel in einem Satz zusammenfassen:

Wenn wir Jakob lesen, sehen wir oft den Menschen in seiner Geschichte. Wenn wir Israel lesen, sehen wir den Menschen im Licht der Verheißung Gottes.

Und genau darin leuchtet bereits etwas vom Evangelium auf:

Gottes Gnade macht aus Menschen mit Vergangenheit Menschen mit Zukunft.

Erklärung der Farben

im Bibeltext

Blau Handeln Gottes
Blau Rede Gottes
Rot Betrift mein Leben
Grün

Verheißung / Versprechen

Grün Verheißung / Versprechen
Braun wichtig
Beige wichtig
Türkis Jesus
Gelb Heiliger Geist